PRESSEBERICHTE ZUM THEMA QUERSCHNITTSLÄHMUNG NACH SPRITZE

DieWelt.de vom 10.04.2013 - Wenn man nach der OP querschnittsgelähmt ist

Sinnlose OPs, Fehldiagnosen, gewinnorientierte Ärzte: Das Image des Gesundheitswesens leidet. Sandra Maischberger suchte im Talk mit Wolfgang Bosbach und einer Anwältin nach einem guten Arzt.

Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen zum Thema "Der ausgelieferte Patient: Wie finde ich den richtigen Arzt?"

Wird in Deutschland zu viel operiert? Kommen zu viele Patienten unters Messer, denen eine viel weniger drastische Therapie, etwa Krankengymnastik, eigentlich besser helfen würde? Die aktuellen Zahlen, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gerade vorgelegt hat, stützen diese These.

Nur in Österreich werden Patienten häufiger im Krankenhaus behandelt als bei uns. 240 Klinikaufenthalte pro 1000 Einwohner zählte die Organisation für Deutschland, in Österreich waren es 261. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 155 Klinikaufenthalten.

Über die Frage nach Sinn oder Unsinn dieser ausgesprochen vielen Behandlungen wollte Sandra Maischberger in ihrer Talkshow diskutieren. Und darüber, wie man einen guten Arzt findet, der wirklich an der Gesundheit seiner Patienten und nicht nur am Profit interessiert ist.

Doch bevor es in der Diskussion zur Sache ging, bot Maischberger erst einmal verschiedenen Patienten die Gelegenheit, von ihren persönlichen Krankengeschichten und Schicksalen zu berichten.

Sabrina Diehl,
Anwältin von Andrea Dittrich:

Die Klinik ist weit entfernt von einer Entschuldigung.
Sie sagen:
Die Patientin bildet sich die Schmerzen nur ein.

Da erzählte die "Tagesschau"-Moderatorin Susanne Holst, selbst eine ausgebildete Ärztin, von einer rheumatischen Erkrankung und der sich stetig steigernden Unsicherheit, die sie quälte, weil keiner der behandelnden Ärzte eine Ursache für ihr Leiden finden konnte.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach war im vergangenen Monat bei einer Parteiversammlung zusammengebrochen, weil sein Defibrillator, der ihn vor plötzlichem Herzversagen schützen soll, einen technischen Defekt hatte. Bosbach ist außerdem unheilbar an Prostatakrebs erkrankt. Damit geht er erstaunlich offen um. "Warum soll ich jammern, ich habe ein sehr gutes Leben", sagte er in der Sendung. Und er fügte hinzu, dass er mit seinen Ärzten bislang noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe.

Ganz anders ging es Andrea Dittrich, die mit akuten Magenschmerzen in die Klinik kam. Eine Ursache für ihr Leiden konnten die Ärzte über Wochen nicht feststellen. Erst nach einer missglückten Biopsie und einer Notoperation war klar, dass sie an einem Darmverschluss erkrankt war. Die tragische Folge von Ärztefehlern: Nach der Operation war Dittrich partiell querschnittsgelähmt, musste in den Rollstuhl. Sie klagt heute gegen die Klinik, kam auch gemeinsam mit ihrer Anwältin in die Talkshow.

Opfer einer Falschbehandlung war auch Petra Rädlinger. Sie wurde wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert, den es gar nicht gab. Aus ihrer eigenen Krankenakte erfuhr Rädlinger im Nachhinein von dieser unnötigen Behandlung. Ihre Schmerzen haben nach der OP drastisch zugenommen. "Ich will endlich wieder schmerzfrei laufen können", sagte sie.

"Eine Form von Körperverletzung"

Diese Krankheitsgeschichten sind allesamt erschütternd und bedauerlich – haben allerdings auch verhindert, dass in Maischbergers Sendung wirklich über das Thema diskutiert wurde. Erst kurz vor Schluss kam überhaupt eine Debatte in Gang. Die führten vor allem der Ärztevertreter Arno Theilmeier und der Wissenschaftsjournalist Frank Wittig, der vor Kurzem ein Buch mit dem provokativen Titel "Die weiße Mafia" veröffentlicht hat.

Wittigs These: Die meisten Ärzte sorgen sich heute weniger um die Leiden ihrer Patienten als um den eigenen Geldbeutel. Eingriffe, die medizinisch nicht notwendig sind, bezeichnet er als "eine Form von Körperverletzung". "In Deutschlands Ärzteschaft herrschen mafiöse Verhältnisse", fasste er zusammen.

Diesem Generalverdacht widersprach der Arzt Theilmeier vehement. Kriminelle Machenschaften schloss er zwar nicht aus, doch dem Gros der Ärzte stellte Theilmeier ein positives Zeugnis aus.

Er bestritt auch, dass zu viele sinnlose Operationen durchgeführt werden – schließlich werden alle Behandlungen und Diagnosen in deutschen Krankenhäusern im Nachhinein noch einmal streng kontrolliert.

Deutschland bei Knie-OPs an der Spitze

Einig waren sich Theilmeier und Wittig in einigen Punkten trotzdem. So bestätigten beide, dass es in Deutschland eine Überversorgung mit Ärzten und Krankenhäusern gibt. Und die führt dazu, dass eben oft doch vor allem die Behandlungen durchgeführt werden, die den Häusern Geld bringen.

Die enorme Anzahl von Knieoperationen etwa (hier liegt Deutschland laut OECD-Bericht einsam an der Spitze) halten beide für falsch. An Punkten wie diesen hätte die Diskussion richtig spannend werden können – wenn die Zeit dafür gereicht hätte.

Und wie findet man nun den richtigen Arzt? Der Journalist Frank Wittig hat zwei Tipps: Skeptisch werden sollte man auf jeden Fall, wenn Ärzte allzu sehr wie bei einem Verkaufsgespräch auftreten. Und bevor man sich wirklich operieren lässt, sollte man unbedingt noch eine zweite Diagnose einholen. Die zahlt sogar die Krankenkasse.

Bild.de vom 10.04.2013 - Unter Ärzten herrschen „mafiöse Verhältnisse“

Operationen ohne Grund: Sind Patienten ihren Ärzten ausgeliefert?

Ganz Deutschland sitzt regelmäßig im Wartezimmer. Rund 17 Mal im Jahr geht der Durchschnittsbürger hierzulande zum Arzt. Bei den Operationen ist Deutschland gar Vizeweltmeister.

Das Vergütungssystem belohnt Leistung – wer mehr operiert, der verdient auch mehr. Aber führt das etwa zu medizinisch unnötigen aber ökonomisch gewollten Operationen an ahnungslosen Patienten?

Bei Sandra Maischberger erzählen Patienten am Dienstagabend von ihren persönlichen Erlebnissen zum Thema: „Der ausgelieferte Patient: Wie finde ich den richtigen Arzt?“

Die Talkrunde

Die Tagesschaumoderatorin und Ärztin, Dr. Susanne Holst, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (CDU), der Facharzt für innere Medizin, Dr. Arno Theilmeier, der Wissenschaftsjournalist  und Buchautor („Die weiße Mafia“), Frank Wittig, die Rechtsanwältin, Sabrina Diehl sowie die von Ärztepfusch betroffenen Andrea Dittrich und Petra Rädlinger.

Der Ärzte-Talk

Mit der Reform des Gesundheitswesens innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich vor allem eines geändert: Gab es zuvor von den Krankenkassen Geld für Liegezeiten, wird jetzt ausschließlich nach erbrachter Leistung abgerechnet.
In Deutschland gebe es deshalb eine massive Überbehandlung von Patienten, sagt Wissenschaftsjournalist Frank Wittig. „Es gibt zu viele Krankenhausbetten, die belegt werden müssen.“

Er redet von „mafiösen Verhältnissen“ und einem Rekord an Überweisungen an weitere Fachärzte (sechs von zehn Patienten), der dazu führe, dass „auf jeden Fall irgendetwas gefunden wird“.

Tapferer Bosbach, verzweifelte Horst

Die Erfahrungen der Gäste von Sandra Maischberger zu dem Thema könnten unterschiedlicher nicht sein.

CDU-Bundestagsmitglied Wolfgang Bosbach sagt „ich würde es Ärzten niemals vorwerfen, dass sie unterschiedliche Therapiewege vorschlagen. Am Ende entscheide ich selbst.“
Erst vor wenigen Wochen war der Politiker auf einem CDU-Parteitag in Münster umgekippt, weil sein Herzschrittmacher fälschlicherweise ansprang. Und er hat Prostatakrebs – „ohne Chance auf Heilung“.

Doch bei bei ARD-Talkmasterin Maischberger sitzt Bosbach urlaubsgebräunt und gutgelaunt: „Ich habe ein tolles Leben und tolle Kinder, warum soll ich jammern?“

Weniger positiv sind die Erfahrungen von Ärztin und Tagesschaumoderatorin Susanne Holst mit ihrem Berufsstand. Wahrscheinlich war es eine verschleppte Borelliose, ausgelöst durch einen Zeckenbiss, die bei ihr starke rheumatische Schmerzen auslöste.
Monatelang suchte sie diverse Ärzte auf, ohne eine Diagnose zu bekommen.
„Ich hatte Angst, dass es für immer so bleibt, dass ich mich nicht mehr bewegen kann.“
Alternative Behandlungsmethoden ließen sie schließlich die Krankheit überwinden.

Unnötig operiert, die Gesundheit verpfuscht

Unter Maischbergers Gästen sind am Dienstagabend auch zwei Opfer von Ärztepfusch.
Schockierend ist vor allem der Fall von Petra Rädlinger. Die Buchhalterin wird nach der Diagnose Bandscheibenvorfall operiert.
Als sie aufwacht spürt sie ihren Fuß nicht mehr. Unglaublich: Bei einem Gutachten stellt sich heraus, dass sie gar keinen Bandscheibenvorfall hatte.
Ein vom Krankenhaus engagierter Honorararzt hatte in rund hundert Fällen medizinisch sinnlose Operationen angeordnet und abkassiert. Rädlinger will klagen. Noch viel mehr wünscht sie sich aber „wieder laufen zu können“.

„Rund 12 000 Euro erhält das Krankenhaus für so eine Operation“, sagt Wissenschaftsjournalist Wittig.

Sandra Maischberger will von Facharzt Theilmeier wissen: „Würden Sie ausschließen, dass Patienten in Deutschland ohne medizinischen Grund operiert werden?“
„Ja, das schließe ich aus“, bleibt Theilmeier trotz der Patientengeschichte von Patra Rädlinger optimistisch. Denn ein Systemfehler sei ausgemerzt worden: Die Abrechnungen der Krankenhäuser müssten mittlerweile an Berichte über die medizinische Indikation gekoppelt werden.

Wie kann man sich als Patient vor Sinnlos-OPs schützen?

Theilmeier rät zu Wachsamkeit. Wenn der Arzt voreilig eine Operation anordnet, „holen Sie sich eine zweite Meinung bei einem anderen Arzt ein“. Die Krankenkassen würden das unterstützen.
„Der zweite Arzt wird am Gewinn von möglichen Operationen nicht beteiligt, das hilft ihm objektiv zu bleiben“, sagt Theilmeier leicht sarkastisch. Sollte dem Patienten die Behandlung im Krankenhaus widersinnig erscheinen, rät er zum beherzten Notruf beim Hausarzt: „Rufen Sie an und bitten Ihren Hausarzt, Sie heraus zu holen.“

Klartext

Mündige Patienten müssen den Mund aufmachen. Mit der harten These des „ausgelieferten Patienten“ ging Sandra Maischberger in diese Talkrunde.
Die Erfahrungen der Talkgäste zeigen: Wer gesund werden will, muss selbst aktiv werden und mehrere Meinungen einholen.
Der Talk zeigt vor allem, dass ein auf Leistung ausgelegtes Gesundheitssystem zu Missbrauch und Pfusch führt.

Glückspost vom 30.10.2012 - Ich habe geträumt, dass ich wieder gehen kann

Sanft lehnt sich Andrea Dittrich aus dem deutschen Haltern an ihren Mann Reinhard (48). Sie steht noch etwas unsicher, aber sie steht. «Auf meinen eigenen Beinen», sagt die dreifache Mutter stolz. Andrea Dittrich ist erst 42 Jahre alt. Doch für sie beginnt bereits ihr drittes Leben, wie sie erzählt. Ihr erstes Leben endete im Januar 2009 mit einem Eingriff im Spital. Ihr Bauch war plötzlich geschwollen, schmerzte stark. «Ich hatte innere Blutungen, einen Darmverschluss», sagt sie. Eine Notoperation sollte Andrea retten.

Der Eingriff wurde zum Beginn eines Albtraums: «Als ich aus der Narkose erwachte, war ich vom Bauch an abwärts gelähmt. »Die Ärzte suchten nach der Ursache. Doch sie fanden nichts, unterstellten ihr sogar, sie würde sich die Lähmung einbilden. Andrea Dittrich war fassungslos. «Ich habe mich doch nicht freiwillig in den Rollstuhl gesetzt oder mich zur Toilette tragen lassen », klagt sie. Schlimmen Pfusch vermutet Patientenanwalt Stefan Hermann (46), der Andrea vertritt. «Meine Mandantin wurde eindeutig durch eine fehlerhafte Operation geschädigt», sagt er − und fordert Schmerzensgeld. Einzig die Unterstützung ihrer Familie bewahrte Andrea in diesem schweren Lebensabschnitt davor aufzugeben. Reinhard Dittrich: «Wir trösteten meine Frau, machten ihr Mut und bauten das Haus für sie um.» Andreas heimliche Hoffnung: «Ich habe geträumt, dass ich wieder gehen kann.»Doch sonst glaubte niemand mehr an eine Heilung.

Da geschah das Unfassbare. «Weil meine Narbe zu brechen drohte, wurde ich 2011 erneut operiert», erzählt Andrea Dittrich. «Diesmal spürte ich im Aufwachraum Bauchschmerzen. Aber das konnte nicht sein!» Langsam versuchte sie, die Zehen zu bewegen. Ja, es gelang! «Die Lähmung war weg.» Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Zufällig hatte die Operation die geschädigten Nervenbahnen verbunden, erklären Ärzte das Phänomen. Endlich war Andrea Dittrichs Traum in Erfüllung gegangen. Erst auf Krücken, dann gestützt von ihren Liebsten, seit einigen Wochen ohne Hilfe. «Und ich weiss», sagt sie lächelnd, «mein drittes Leben wird mein schönstes!»

Bild der Frau vom 26.10.2012 - Ein Wunder! Ich kann wieder laufen

Andrea (42) saß zwei Jahre im Rollstuhl

Die Ärzte hatten sie abgeschrieben - keine Chance auf eine Heilung. Doch sie täuschten sich…

Bauchschmerzen? Ein Gefühl, das bei Andrea Dittrich aus Haltern (NRW) Glück und Angst zugleich auslöste. Glück weil sie endlich wieder etwas spürte. Angst, weil vielleicht doch alles nur Einbildung war.

Die 42-jährige Frau saß zwei verzweifelte Jahre lang gelähmt im Rollstuhl. Hinter ihr liegt eine Leidensgeschichte mit unerträglichen Schmerzen und immer wieder zerstörten Hoffnungen. Am Januar 2009 kommt sie mit dem Notarzt ins Krankenhaus. Darmverschluss, innere Blutungen, sofortige Operation. Als Andrea aus der Narkose erwacht, kann sie ihre Beine nicht mehr bewegen! Die Ärzte versuchen, hierfür die Ursache zu finden. „Sie waren völlig überfordert“, sagt Andrea. „Weil sie nichts finden konnten, haben sie mir unterstellt, ich würde mir die Lähmung einbilden. Man muss sich das vorstellen: Als ob ich mich freiwillig in einen Rollstuhl setze und zulasse, dass mein ganzes Leben zerstört ist!“ Für die Mutter von drei Kindern, die immer so gern Sport getrieben und mit Ehemann Reinhard (48) lange Motorradtouren unternommen hatte, der Beginn eines Albtraums. „Meine Familie hat mich von einem Spezialisten zum nächsten gebracht. Doch keiner konnte mir helfen. Die Querschnittslähmung war nicht mehr rückgängig zu machen…“ Andrea ist 40 und hat jede Hoffnung aufgegeben, jemals den Rollstuhl verlassen zu können. „Ich war depressiv, am Boden zerstört.“ Die Familie mit den Kindern Marina (20), Isabel (17) und Niclas (15) versucht alles, um sie wieder aufzubauen. Ehemann Reinhard: „Wir wollten das Schicksal gemeinsam tragen, haben unser Haus rollstuhlgerecht umgebaut.“

Die Familie vermutet dass Andrea Opfer von Ärztepfusch wurde und beauftragt Patientenanwalt Stefan Hermann (46) aus Marl, die Ärzte auf Schadenersatz und Schmerzensgeld zu verklagen. Doch dann, im Dezember 2010, geschieht das Wunder. Die gelähmte Andrea wird in der Klinik erneut operiert, weil eine Narbe aufzubrechen droht. Als sie aus der Narkose erwacht, spürt Andrea Dittrich ihren Bauch. „Das konnte nicht sein, denn dort war ich doch gelähmt! Was ist, wenn die Lähmung zurückkehrt?“ Nur ganz langsam verschwinden die Zweifel. Stück für Stück kann Andrea erst die Zehen, dann beide Beine wieder bewegen. „Ich war noch nie so glücklich!“ Diese Erfolge geben ihr neue Kraft. Mit ihrem Mann trainiert sie jeden Tag - bis sie wieder alleine stehen kann! Die Ärzte können sich die Heilung nur so erklären: Offenbar wurde beim ersten Eingriff 2009 die Verbindung von Nervenbahnen gestört, die zweite Operation hat sie zufällig wieder hergestellt. Den Rollstuhl will Andrea Dittrich nie mehr sehen. „Ich habe wieder neu laufen gelernt. Mir ist ein neues Leben geschenkt worden - und das werde ich Tag für Tag genießen!“
 

Neue Post vom 26.09.2012 - "Ich habe geträumt, dass ich wieder laufen kann"

Nach einer Darm-OP saß die Mutter im Rollstuhl. Ärzte glaubten nicht an Heilung. Bis das Wunder geschah

Sanft lehnt sich Andrea Dittrich aus Haltern (Nordrhein-Westfalen) an ihren Mann Reinhard (48). Sie steht noch etwas unsicher. Aber sie steht. "Auf meinen eigenen Beinen", sagt die dreifache Mutter  stolz.

Andrea Dittrich ist erst 42 - doch für sie beginnt bereits ihr "drittes Leben", wie sie NEUE POST verrät. Ihr erstes Leben endete im Januar 2009. "Mit einem Eingriff in der Klinik ... " Ihr Bauch war plötzlich geschwollen, schmerzte stark. "Ich hatte innere Blutungen! Darmverschluss!" Eine Not-Operation sollte Andrea retten. Der Eingriff wurde zum Beginn eines Albtraums: ,,Als ich aus der Narkose erwachte, war ich vom Bauch abwärts gelähmt." "Scheinbar hilflos", wie es die Patientin erlebte, suchten die Ärzte nach der Ursache.Doch sie fanden nichts, unterstellten ihr sogar, sie würde sich .,die Lähmung einbilden". Andrea Dittrich war fassungslos. "Ich habe mich doch nicht freiwillig in den Rollstuhl gesetzt oder mich zur Toilette tragen lassen", klagt sie.

Schlimmen Pfusch vermutet Patientenanwalt Stefan Hermann (46), der die dreifache Mutter vertritt. "Meine Mandantin wurde eindeutig durch eine fehlerhafte Operation geschädigt", sagt er - und fordert Schmerzensgeld. Einzig die Unterstützung ihrer Familie bewahrte Andrea in diesem schweren Lebensabschnitt davor, aufzugeben. Reinhard Dittrich, von Beruf Polizist: "Wir trösteten meine Frau, machten ihr Mut und bauten das Haus für sie um." Andreas heimliche Hoffnung: "Ich habe geträumt, dass ich wieder laufen kann. Doch sonst glaubte niemand mehr an eine Heilung.

Da geschah das Unfassbare: "Weil meine Narbe zu brechen drohte, wurde ich 2011 erneut operiert", erzählt Andrea Dittrich. "Diesmal spürte ich im Aufwachraum Bauchschmerzen. Aber das konnte nicht sein!" Langsam versuchte sie, die Zehen zu bewegen - ja, es gelang! "Die Lähmung war weg", konnte sie ihr Glück nicht fassen. Zufällig hatte die Operation die geschädigten Nervenbahnen verbunden, erklären Ärzte das Phänomen.

Endlich war Andrea Dittrichs Traum in Erfüllung gegangen. Erst auf Krücken, dann gestützt von ihren Liebsten, seit einigen Wochen ohne Hilfe: "Und ich weiß", lächelt die 42-Jährige, "mein drittes Leben wird mein schönstes!"

Auf einen Blick v. 25.03.2010 - "Ich sollte nur eine Spritze bekommen - jetzt bin ich gelähmt"

Ich sollte nur eine Spritze bekommen – jetzt bin ich gelähmt

Kaum mehr als ein Jahr ist es her, da stand die 40-Jährige aus Haltern am See in Westfalen mit beiden Beinen fest im Leben. Tatkräftig schmiss sie den Haushalt, organisierte das Familienleben, verdiente Geld als Kantinenkraft. Heute haben Trauer und Schwermut von der einst so lebenslustigen Frau Besitz ergriffen. Schmerzhaft erinnert sich Andrea Dittrich an die Wintertage, die ihr Leben veränderten. „Es war im Dezember 2008, als ich heftige Magenschmerzen bekam.“ Tagelang konnte sie kaum etwas essen, nahm stark ab. Auf Hilfe hoffend ließ sie sich ins St. Sixtus-Hospital in Haltern einliefern. Der Beginn eines langen Leidensweges.
„Die Ärzte haben meine Beschwerden zunächst überhaupt nicht ernst genommen“, erzählt Andrea Dittrich: „Erst neun Tage nach meiner Einlieferung fand die erste richtige Untersuchung statt.“ Zu diesem Zeitpunkt war ihr Bauch kürbisgroß angeschwollen. Doch statt eine Darmspiegelung durchzuführen, entschieden sich die Ärzte am Freitag, dem 16. Januar, ihre Patientin nach Hause zu schicken. Die lapidare Begründung: „Sie sagten mir, dass sie nicht mehr weiterwüssten“, so Andrea Dittrich. Deshalb sollte sie am darauf folgenden Montag entlassen werden. Doch dann kam alles anders: Wegen ihrer schlechten Blutwerte entschieden sich die Ärzte kurzfristig, eine Leber-Punktion durchzuführen. „Danach hat meine Frau zwei Tage lang vor Schmerzen geschrien“, berichtet Andrea Dittrichs Ehemann Reinhard (46) immer noch erschüttert. Doch erst als sie kaum noch ansprechbar war, handelten die Mediziner. „Auf einmal stellten die fest, dass Andrea innere Blutungen hatte“, so Reinhard Dittrich. „Da wurden sie ganz hektisch, brachten sie sofort in den OP-Saal zu einer Notoperation.“

Denn in Wahrheit hatte Andrea Dittrich einen lebensbedrohlichen Darmverschluss. Die Schmerzen nach der OP wurden mit einer Rückenmarkspritze behandelt. „Dabei muss etwas schiefgegangen sein, denn ich spürte meine Beine nicht mehr“, sagt Andrea Dittrich. Es handele sich um eine „leichte rechtsseitige Beinschwäche“, heißt es im Entlassungsbericht. Lähmungserscheinungen? Die würde sich die Patientin nur einbilden. Dass sie aber alles andere als eine Simulantin ist, belegen Untersuchungen an der Uni-Klinik Bochum. Diagnose: Querschnittslähmung nach der Rückenmarkspritze! Die junge Frau geschockt: „Es war doch nur eine Spritze – jetzt bin ich gelähmt!“

Nun kämpft sie mit ihrem Anwalt Stefan Hermann um Gerechtigkeit. Der Experte für Medizinrecht: „Wir haben das Krankenhaus auf 993 000 Euro verklagt.“ Die Klinik schweigt zu den Vorwürfen, fand auch kein Wort des Bedauerns. Andrea Dittrich verbittert: „Die Ärzte haben mein Leben zerstört. Und dann stempeln sie mich noch als Simulantin ab – das tut einfach unheimlich weh!“
 

Marl Aktuell vom 20.02.2010 - Nach Spritze im Rollstuhl

Gericht bestätigt Schaden von 600.000 Euro - Behandlungsfehler?

Haltern. Wenn Andrea D. an die letzte Woche zurückdenkt, dann ist sie nur noch traurig. Die lebenslustige Frau ist von allen Aktivitäten ausgeschlossen. Sie ist von der Hüfte an querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl, seit sie in einem Krankenhaus im Kreis eine Betäubungsspritze erhielt.

Ihr Leben wurde von einem Moment auf den anderen Moment auf den Kopf gestellt. „Ich hatte zehn Kilogramm abgenommen und ständig Bauchschmerzen. Im Krankenhaus wurde ich aber erst gar nicht behandelt. Und dann falsch“, beklagt die Halternerin.

Nach einer misslungenen Leberbiopsie musste sie notoperiert werden, erst hier wurde ein Darmverschluss festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt lag sie bereits drei Wochen im Krankenhaus. Um den Darm wieder in Schwung zu bringen, setzten die Ärzte eine Betäubung, eine Periduralanästhesie (PDA). Seit dem sitzt sie im Rollstuhl.

„Die PDA war überflüssig, jedenfalls falsch gesetzt“, meint der Marler Arzthaftungsexperte Stefan Hermann, der jetzt Klage eingereicht hat. Das Gericht hat in einem ersten Schritt einen Schaden von rund 600.000 Euro bestätigt (LG Essen 1 O 179/09). Ob dieser auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen ist, soll jetzt ein Sachverständiger prüfen.

Verärgert sind Patientenanwalt und Patientin über die Reaktion des Krankenhauses: „Obwohl die Querschnittslähmung durch unabhängige Ärzte eindeutig bescheinigt wurde, wird behauptet, meine Mandantin könne wieder aufstehen und laufen, sie es nur wolle. Das ist unfassbar!“, entrüstet sich Stefan Hermann.

Glücksrevue vom 12.08.2009 - „Unfähige Mediziner haben mein Leben zerstört!“

Andrea D. liebte das Leben, war immer in Bewegung. Heute ist die 39-Jährige ohne den Beistand ihrer Mutter völlig hilflos.

Sie ging mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus – und wurde im Rollstuhl wieder herausgeschoben. Und dennoch stellten Ärzte Andrea D. (39) monatelang als Simulantin hin…

Vorsichtig fährt Andrea D. mit ihrem Rollstuhl ins Badezimmer. Es ist eng hier und sie braucht bei jedem Handschlag Hilfe: Schränke und Spiegel hängen viel zu hoch. Und schließlich muss sie rückwärts wieder hinausfahren. Anders passt der Rollstuhl nicht durch die schmale Tür.

Im Wohnzimmer nimmt Ehemann Reinhard D. (45, Polizeibeamter) seine Frau ganz fest in die starken Arme, gibt ihr Kraft. Und die braucht Andrea jetzt mehr denn je: Die letzten Untersuchungen an der Uni-Klinik Bochum haben für sie jegliche Hoffnung auf ein Leben ohne Rollstuhl zerstört.

Ihre Familie, zu der auch die Töchter Isabell (14), Marina (17), Sohn Niclas (12) und Mutter Anne R. (69) gehören, hat den Schock über die Ereignisse noch lange nicht verdaut. „Wir können es noch nicht fassen, dass nun alles anders wird“, sagt Reinhard D. „Früher waren wir aktiv, sind Motorrad gefahren, im Urlaub lange gewandert, haben Freunde getroffen, sind gerne auf Partys gegangen. Andrea war immer vorne mit dabei, hat mit ihrem Lachen und ihrer Fröhlichkeit alle angesteckt!“

Alles aus und vorbei – durch eine haarsträubende Kette von Pfusch und Versagen in zwei Krankenhäusern? Ärzte, die ihre Patientin verspottet und falsch behandelt haben, statt ihr zu helfen? Andrea D. und ihr Patientenanwalt Stefan Hermann aus Marl (NRW) sind sich darüber einig: „Meine Mandantin wurde nicht nur viel zu spät behandelt, nachdem die Mediziner fast zwei Wochen lang ihre Beschwerden ignorierten. Als sie dann operieren mussten, weil Frau D. fast an inneren Blutungen gestorben wäre, passierten weitere Fehler. Und schließlich die verhängnisvolle Lähmung!“, blickt Hermann zurück. „Wir fordern von der Klinik eine knappe Million Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz, weil das Leben der Patientin zerstört wurde. Den Betrag werden wir auch so vor Gericht einklagen“, so der Jurist entschlossen.

Der Horror begann im Dezember 2008: „Ich hatte schlimme Magenschmerzen, konnte nicht mehr auf die Toilette. Im örtlichen Krankenhaus begrüßte mich der Arzt mit den Worten: ,Sie sind also die Patientin, die immer bricht…` Ich antwortete: ,Nein, ich bin die Patientin, die Magenschmerzen hat, wenn sie etwas isst´“, erinnert sich Andrea D. und fügt hinzu: „Die haben mich von Anfang an anscheinend nicht für voll genommen, sagten mir immer, meine Beschwerden könnten nicht organisch sein, hätten sicher psychosomatische Ursachen. Ob mir als Kind im Sandkasten mal die Förmchen geklaut worden wären…“

Andere Mediziner, so Andrea D., hätten sich über ihren immer dicker werdenden Bauch lustig gemacht: „Wir könnten damit doch mal auf die Geburtsstation fahren und nachschauen, ob sich etwas bewegt!“, musste sie sich anhören. Schließlich hielt sie es vor Schmerzen nicht mehr aus und ihre Blutwerte gingen dramatisch in den Keller. „Die Ärzte stellten innere Blutungen fest, mussten operieren – und entdeckten dabei ,zufällig´ die wahre Ursache für die Qualen meiner Frau“, erzählt Reinhard D. empört. „Sie hatte einen Darmverschluss! Ohne Operation wäre sie gestorben!“ Nach der OP bekam sie eine Rückenmarksnarkose zur Anregung des Darms – und konnte ihre Beine nicht mehr bewegen!

Das alles sagte Andrea D. später den Ärzten. „Die haben mich als Simulantin hingestellt! Ich könne aufstehen, wenn ich nur wollte!“

Doch das blieb ein unerreichbarer Traum. Selbst nach neun Wochen Reha trat keine Besserung ein. „An ihrer absurden Diagnose, meine Frau würde die Aufmerksamkeit im Rollstuhl genießen, hielten auch dort die Mediziner fest“, sagt der Ehemann, und kämpft mit den Tränen: „Das ist eine Frechheit!“

Dr. Mirko A., Spezialist an der Bochumer Uni-Klinik, bestätigt nun, dass Andrea D. von der Leiste abwärts komplett gelähmt ist: „ Frau D. ist nicht in der Lage, frei zu stehen.“ Beim Chefarzt des Krankenhauses, in dem das Schicksal der Patientin seinen Lauf nahm, stoßen solche Aussagen offenbar auf taube Ohren. Er lässt den Rechtsstreit aus sich zukommen. Dr. Arno B., Internist, sieht auf Nachfrage keinen Fehler in seinem Haus: „Die Patientin ist hier langfristig und ausführlich von uns diagnostiziert worden. Und das ist auch in der Reha-Klinik gemacht worden“, sagt er. „Dort wurden die Störungen bei Frau D. auf den psychischen Bereich geschoben.“

Für die dreifache Mutter ein Schlag ins Gesicht. Sie kämpft jeden Tag gegen ihr Schicksal an: „Ich kann nicht mehr in die obere Etage unseres Hauses, in der die Zimmer der Kinder sind. Unser Schlafzimmer musste ins Erdgeschoss verlegt werden. Meine Mutter macht für mich den Haushalt, wäscht mich sogar. Ohne sie würde bei uns alles zusammenbrechen“, sagt sie und holt tief Luft, bevor sie weiterspricht. „Mein Mann hat extra eine Rampe gebaut, damit ich auch mal in den Garten rollen kann. Es ist ein einziger Albtraum…“



Der richtige Rechtsbeistand

Warum sollten sich Medizingeschädigte Hilfe beim Patientenanwalt holen?

Das Medizinrecht ist sehr umfangreich. Patientenanwälte sind auf den Teilbereich Arzthaftungsrecht spezialisiert und vertreten ausschließlich Patienten, um deren Rechtsansprüche durzusetzen.

Welche Ansprüche kann ich geltend machen?
Neben Schmerzensgeld, das Sie für Ihren bisherigen Leidensweg einfordern können, und Schadersatz (z.B. für Behandlungs- oder Anwaltskosten), haben Sie unter Umständen Anspruch auf eine Schmerzensgeldrente. Können Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben, können Sie Verdienstausfall geltend machen. Auch Haushaltsführungs- und ggf. Beerdigungskosten können eingeklagt werden.

Wer bezahlt den Prozess?
Rechtsschutzversicherungen kommen für alle gesetzlichen Gebühren auf. Nicht Versicherte, die die Kosten nicht selbst tragen können, können einen Prozessfinanzierer konsultieren, der die Kosten übernimmt und bei Prozessgewinn einen Anteil erhält, ober beim Gericht Prozesskostenhilfe anfordern.

Bildzeitung (NRW) vom 26.06.2009 - Ärztepfusch? Nach Spritze im Rollstuhl

Jetzt verklagt sie die Klink auf 1 Mio Euro

Haltern - Wird diese Frau je wieder gehen können?

Andrea D. (39), Mutter zweier Kinder stand fest im Leben, managte ihre Familie, den Haushalt, fuhr Motorrad, joggte. Doch dann kam der 28. Dezember 2008. An diesem Tag ging sie mit Magenschmerzen ins Krankenhaus und wurde später im Rollstuhl wieder entlassen. Jetzt verklagt sie die Klinik auf knapp eine Million Euro.

Andrea D.: "Man hat mich zwei Wochen lang im Krankenhaus nicht ernstgenommen. Mein Bauch wurde immer dicker, die Schmerzen unerträglich. Ich wäre fast geplatzt, aber die Ärzte wussten nicht, was los war. Die haben mein Leben verpfuscht. Ich hatte große Angst vor dem Tod."

Nach einer Leberuntersuchung ging es Andrea immer schlechter. Als die Blutwerte in den Keller gingen, entschlossen sich die Ärzte zur Not-OP am Bauch:  Darmverschluss! Die Patientin:"Das ausgetretene Blut hätte mich fast vergiftet."

Der medizinische Albtraum war aber noch nicht zu Ende. Um den Darmtrakt wieder in Ganz zu bringen, bekam Andrea D. eine Rückenmarks-Spritze. Seitdem kann sie nicht mehr laufen. "Ich fühle mich wie im Gefängnis, werde verrückt im Rollstuhl. Ich mag auch meinen Körper nicht mehr, aber aufgeben? Nein!"

Ihr Ehemann Reinhard (45):"Wir haben das Schlafzimmer nach unten verlegt, eine Rampe in den Garten gebaut."

Patientenanwalt Stfan Hermann (43, Marl): "Meine Mandantin wurde im Krankenhaus als Simulantin abgestempelt. Wir klagen auf exakt 993 700 Euro Schmerzensgeld und Folgekosten." Der ärztliche Direktor der Klinik: "Zwei Monate haben wir uns mit der Patientin beschäftigt. Dieser Fall ist ein ganz normaler Rechsstreit."
 

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Patientenanwältin
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Rechtsanwältin Patientenanwältin Sabrina Diehl Schmerzensgeld nach Ärztepfusch Behandlungsfehler

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